5 Tage in Warschau

5 Tage in Warschau

Dass wir für fünf Tage Halt in Warschau gemacht haben, war wohl eher dem Zufall geschuldet. Unser eigentliches Ziel nach drei Monaten Housesitting in Spanien war das Studentenstädtchen Lemberg in der Ukraine – und die beste Verbindung dorthin führte uns eben über Warschau. So ein Glück!

Warschau hat uns einfach umgehauen. Die so moderne, weltoffene und lebendige Neustadt schließt sich direkt an die original getreu wiederaufgebaute Altstadt an, die im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Obwohl hier kein Haus älter als 60 Jahre ist, fühlt man sich weit in die Vergangenheit zurückversetzt. Der Marktplatz – das kulturelle Zentrum auf dem sich Straßenkünstler und Souvenirverkäufer tummeln – wird von malerischen Fassaden im Barockstil eingerahmt. Kunst, Kultur und hippe Cafés prägen die Stadt und obwohl wir von morgens bis abends auf den Beinen waren, haben wir längst nicht alles gesehen.

Die Warschauer Altstadt ist kaum älter als ein halbes Jahrhundert.
Die Warschauer Altstadt ist kaum älter als ein halbes Jahrhundert.

Tag 1: Ankunft

Als unser Taxifahrer uns an unserer Unterkunft im Stadtteil Praga, auf der nord-östlichen Seite der Weichsel, absetzt, ist es schon spät am Nachmittag und wir sind erschöpft von der Reise. Mehr als ein Spaziergang ist für heute nicht mehr drin.

Durch das Szeneviertel Praga, wo noch wuchtige Wohngebäude und verfallene Fabriken aus Tagen der Sowjetzeiten stehen, laufen wir bis an’s Ufer der Weichsel. Hier gibt es einen kleinen Park und eine Art Steg im Fluss, auf dem Pärchen und junge Leute mit Bier und Musik den Sonnenuntergang genießen.

Blick auf Warschaus Altstadt über die Weichsel
Blick auf Warschaus Altstadt über die Weichsel

Als wir schließlich die große Brücke in Richtung Altstadt überqueren ist es fast schon dunkel. Wir schlendern noch eine Weile durch die beleuchtete Stadt, essen eine Kleinigkeit und treten dann auch schon den langen Rückweg zum Hotel an.

Stadtbummel durch das abendliche Warschau
Stadtbummel durch das abendliche Warschau

Tag 2: Altstadt

Früh morgens geht es am nächsten Tag wieder los. Diesmal fahren wir mit der Straßenbahn (günstig, sauber und gut getaktet!) in die Altstadt, wo wir pünktlich um 10 Uhr unsere Stadtführerin der kostenlosen, spendenfinanzierten Orange Umbrella Walking Tour treffen.

OrangeUmbrella Tour durch Warschaus Altstadt
Orange Umbrella Tour durch Warschaus Altstadt

Von der Sigismundssäule aus erkunden wir die historische Altstadt, das Königsschloss und die alten Stadtmauern. In perfektem Englisch erzählt uns unsere Führerin die Legenden, die sich um die Meerjungfrau auf dem Marktplatz ranken und gibt uns Empfehlungen für typisch polnische Restaurants. Zum Abschluss der Tour wird die ganze Gruppe auf einen Vodka mit Wurstbrot eingeladen – um 12 Uhr Mittags! Ein perfekter erster Überblick über Warschau.

Die Meerjungfrau auf dem Warschauer Marktplatz
Die Meerjungfrau auf dem Warschauer Marktplatz

Trotz des Vodkas sind wir nach mehr als zwei Stunden in der Kälte ziemlich durchgefroren und hungrig. In einer kleinen Milchbar – einem vom Staat bezuschussten Restaurant – am Rande der Altstadt, finden wir mit viel Glück einen freien Tisch. Milchbars sind eigentlich für Studierende und Bedürftige gedacht, ziehen aber auch viele Touristen an. Und tatsächlich, die Atmosphäre in dem kleinen Restaurant ist etwas ganz besonderes.

Es gibt nur wenige Gerichte auf der Karte, die alle sehr einfach gehalten sind, denn Milchbars dürfen keine Gewürze außer Salz und Pfeffer verwenden. Man bestellt und bezahlt an der Kasse und kann dann mit einem Beleg sein Essen von der Küche abholen. Unser Essen war zwar etwas fad und bestand hauptsächlich aus Kartoffeln und Zwiebeln, war dafür aber eben sehr günstig.

Eine Milchbar mit Sowjetcharme in Warschau
Eine Milchbar mit Sowjetcharme in Warschau

Anschließend sind wir in’s Königsschloss, das auch erst vor einigen Jahrzehnten wieder aufgebaut wurde und heute als Museum dient. Im Keller des Museums gibt es ganz unaufgeregt zwei Werke von Rembrandt – sonst allerdings nicht viel interessantes. Sonntags ist der Eintritt kostenlos.

Das Warschauer Königsschloss ist heute ein Museum und kann jeden Sonntag kostenlos besichtigt werden.
Das Warschauer Königsschloss kann jeden Sonntag kostenlos besichtigt werden.

Am Abend verschlägt es uns noch für einen kurzen Spaziergang in die Neustadt. Der mächtige Kultur- und Wissenschaftspalast im Stil des Sozialistischen Klassizismus dominiert auch im Dunklen die Landschaft. Um das bunt angeleuchtete Gebäude herum gibt es einige nette Restaurants und Cafés.

Um den Warschauer Kulturpalast herum gibt es zahlreiche hippe Cafés und Restaurants.
Um den Warschauer Kulturpalast herum gibt es viele Cafés und Restaurants.

Tag 3: Neustadt

An unserem dritten Tag in Warschau nehmen wir uns die Neustadt vor. Im Gegensatz zur Altstadt sieht man hier tatsächlich echte Warschauer, die ihren Besorgungen nachgehen. Für die Einheimischen ist die Neustadt das Zentrum der Stadt. Zur Mittagszeit finden wir sogar ein kleines vegetarisches Restaurant (Fit and Green) in der Nähe der Universität.

Spinat-Salat im Fit & Green gegenüber der Universität
Spinat-Salat im Fit & Green gegenüber der Universität

Nach dem Mittagessen machen wir uns auf die Suche nach der Postfiliale, in der wir unsere vorbestellten Bahntickets für die Fahrt nach Lemberg abholen können. Das Abholen klappt ohne Probleme, obwohl die nette Frau am Schalter kein Wort Englisch spricht.

Zurück in der Stadt gönnen wir uns auf Empfehlung der Briten, auf deren Haus wir in Spanien aufgepasst haben, eine heiße Schokolade von Wedel, einem bekannten polnischen Schokoladenhersteller. Die beiden haben nicht zu viel versprochen – die heiße Schokolade besteht hier tatsächlich aus flüssiger Schokolade! Absolute Empfehlung!

Die beste heiße Schokolade gibt's bei Wedel!
Bei Wedel gibt es echte heiße Schokolade

Im Food Court des Einkaufszentrums Złote Tarasy gegenüber des Hauptbahnhofs essen wir schließlich zu Abend, bevor wir zurück in unser Hotel fahren.

Warschauer EInkaufszentrum Złote Tarasy
Warschauer Einkaufszentrum Złote Tarasy

Tag 4: Jüdisches Ghetto

Weil Sören an unserem vierten Tag in Warschau überraschend arbeiten muss, nehme ich alleine an einer weiteren Orange Umbrella Tour teil. Thema ist diesmal das jüdische Ghetto, von dem nach dem Krieg allerdings kaum noch etwas übrig geblieben ist.

Von der Sigismundsäule aus steuert die Gruppe diesmal direkt zur alten Stadtmauer, wo es eine Statue eines Kindersoldaten des Warschauer Aufstandes zu sehen gibt. Wir erfahren, wie das Leben im Ghetto gewesen sein muss und wie die Warschauer Bevölkerung den Aufstand gegen die Besatzer gewagt hat. Leider ist die Tour etwas trockener als die Altstadt-Tour, da es einfach kaum noch etwas aus der Epoche zu gehen gibt.

Erinnerung an das Hauptquartier Miła 18 der Jüdischen Kampforganisation.
Erinnerung an das Hauptquartier Miła 18 der Jüdischen Kampforganisation.

Den Nachmittag verbringen Sören und ich wieder gemeinsam. Im Garten der Universitätsbibliothek genießen wir die wenigen Sonnenstrahlen des Tages. Im Sommer ist es hier mit Sicherheit noch schöner, aber auch im Frühling lohnt sich ein Besuch.

Die Gärten der Universitätsbibliothek
Die Gärten der Universitätsbibliothek

Tag 5: Weiterreise nach Lemberg

Unser fünfter und letzter Tag bricht an. Wir packen unsere Sachen, checken aus und fahren mit dem Taxi an den Hauptbahnhof, wo wir Rucksäcke und Koffer in einem Schließfach verstauen. Unser Zug nach Lemberg fährt erst gegen Abend und um die letzten Stunden noch zu nutzen, sehen wir uns das Warsaw Rising Museum an.

Das Uprising Museum würden wir nicht noch einmal besuchen.
Das Rising Museum würden wir nicht noch einmal besuchen.

Leider hat uns das Museum gewaltig enttäuscht. Es gibt so viele Informationen – Flugblätter, Videos, Zeitungsausschnitte, etc. -, dass man dort Tage verbringen müsste, um alles wahrnehmen zu könne. Noch viel mehr hat uns aber gestört, wie das polnische Militär verherrlicht wird. Im obersten Stockwerk des Museums wird sogar ganz offen Propaganda-Material ausgestellt.

Vom Warschauer Hauptbahnhof geht es mit dem Nachtzug weiter nach Lviv in der Ukraine
Vom Warschauer Hauptbahnhof geht es mit dem Nachtzug weiter nach Lemberg (Lwiw) in der Ukraine

Für’s nächste Mal

Auch bei unserem nächsten Besuch in Warschau gibt es noch einiges zu sehen. Empfohlen wurde uns das „Museum der Geschichte der polnischen Juden“, das 2016 zum europäischen Museum des Jahres gewählt wurde. Auch die Aussicht vom Kultur- und Wissenschaftspalast soll sich lohnen. Und schließlich haben wir noch nicht einmal richtige Pirogi probiert!


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Lena

Lena

Lena (28) ist studierte Soziologin und hat zuletzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Mannheim gearbeitet. Seit September 2015 ist sie als digitale Nomadin auf Weltreise. Mehr erfährst du hier.

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