Digitale Auszeit – Silvester am River Kwai

Früh morgens rollt unser Zug vom Bahnsteig Thonburi los in Richtung Nam Thok. Gemeinsam mit meinen Eltern, die uns für einige Wochen in Thailand besuchen, sind wir auf dem Weg zum River Kwai Jungle Rafts Hotel. Das schwimmende Floß-Hotel liegt mitten im Sai Yok Nationalpark und hat weder Strom noch Internet. Für uns als digitale Nomaden also eher ein abwegiges Ziel, denn arbeiten können wir hier auf keinen Fall. Aber manchmal muss man sich eben auch zu einer kleinen Auszeit zwingen – und dafür ist ein so abgeschiedener Ort perfekt.

Sören im Zug von Thonburi nach Nam Thok
Sören im Zug von Thonburi nach Nam Thok

Schon die fünfstündige Bahnfahrt ist – vor allem für meine Eltern, die noch nie in einem thailändischen Zug saßen – ein Abenteuer. Dutzende Händler schieben sich durch die engen Waggons und bieten eisgekühlte Getränke, Obst, Süßigkeiten aller Art, heiße Mahlzeiten und sogar frische Pfannkuchen an. Währenddessen rauscht die Landschaft an uns vorbei. Bangkoks Vorstadt mit seinen Wellblechhütten direkt an den Gleisen weicht nach einer Weile der weitläufigen Natur. Stundenlang fahren wir an malerischen Maniok-, Kautschuk– und Palmöl-Plantagen vorbei, die vor bewaldeten Bergketten liegen.

Blick auf eine Maniok-Plantage vor einer Bergkette
Blick auf eine Maniok-Plantage vor einer Bergkette

Death Railway

Nicht umsonst heißt diese Bahnstrecke auch Death Railway. Im zweiten Weltkrieg wurde sie von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen erbaut von denen Tausende durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen starben. Heute ist vor allem die stählerne „Brücke am Kwai“ ein Touristen-Magnet. Viel spannender fanden wir allerdings die Holzbrücke einige Kilometer weiter. Dicht vorbei an rauen Felswänden fährt der Zug wackelig und in Schrittgeschwindigkeit über eine tiefe Schlucht, in der sich ein Nebenarm des Kwai schlängelt. Wer sich traut hängt sich für den besten Blick weit aus dem Fenster.

Death Railway von Thonburi nach Nam Thok
Death Railway von Thonburi nach Nam Thok

Die letzte größere Stadt auf unserem Weg ist Kanchanaburi. Danach sehen wir kaum noch richtige Bahnhöfe und der Zug leert sich. Mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung kommen wir schließlich an der Endstation Nam Thok an. Von hier bringt uns ein Taxi an den nächsten Pier. Die letzten Kilometer müssen wir mit einem Longtail-Boot zurücklegen, denn das Hotel kann nur über den Kwai Fluss erreicht werden. Die lange und beschwerliche Anreise stimmt uns schon mal gut auf die folgenden Tag in der Abgeschiedenheit ein.

Schwimmendes Öko-Hotel

Stromaufwärts rasen wir den Fluss entlang bis nach zwanzig Minuten endlich unser Hotel hinter einer Kurve erscheint. Die Anlage besteht aus mehreren großen Flößen, die mit starken Seilen aneinander gebunden und mit kleinen Brücken verbunden sind. Auf jedem Floß stehen vier einfach gehaltene Gästezimmer aus Bambus und in der Mitte der Floß-Kette hängt die Rezeption und ein Restaurant mit Bar.

Das River Kwai Jungle Rafts Hotel bei Sonnenuntergang
Das River Kwai Jungle Rafts Hotel bei Sonnenuntergang

Das Longtail-Boot hält an einem der Flöße an und lässt uns aussteigen. Und tatsächlich, es fühlt sich an wie auf einem großen Boot! Vor allem als das Longtail-Boot mit heulendem Motor wieder ablegt bringen die Wellen das gesamte Hotel zum schaukeln.

Sich einfach mal treiben lassen

Sich im wahrsten Sinne des Wortes einfach mal treiben lassen kann man im Kwai River. Die Strömung ist so stark, dass man mit einer Rettungsweste am Anfang der Plattform in den Fluss springen kann und dann vom Wasser an’s Ende des Hotels getrieben wird ohne sich bewegen zu müssen. Gefährlich wird es, wenn man die markierten Landestellen verpasst und am Hotel vorbei treibt, denn aus eigener Kraft kann man gegen die Strömung nicht anschwimmen. Solange man aber rechtzeitig an eine der Leitern schwimmt, macht die Flussfahrt richtig Spaß.

Kleiner Junge mit Rettungsweste springt in den Kwai
Kleiner Junge mit Rettungsweste springt in den Kwai

Das Hotel bietet auch einige Touren und Aktivitäten an (z.B. den Besuch der Lava-Cave oder traditionelle Tänze des Mon-Volks). Die Preise sind aber so überteuert, dass wir darauf verzichtet haben. Lediglich zwei Kanus haben wir uns gemietet (für freche 50 Euro für 40 Minuten) und sind damit einige Kilometer flußabwärts gepaddelt. Außer den gelegentlichen Longtail-Booten und den Geräuschen der Natur ist es hier wunderbar ruhig und friedlich. Nicht einmal ein UMTS-Signal dringt durch die Berge.

Wir Beide beim Kanu-Fahren auf dem Kwai River (1.000 Baht pro Kanu)
Wir Beide beim Kanu-Fahren auf dem Kwai River (1.000 Baht pro Kanu)

Lage, Lage, Lage

Natürlich hat dieses „Abenteuer-Hotel“ auch seinen Preis. Knapp 100 Euro hat eine Nacht pro Zimmer gekostet und wäre es kein Geschenk meiner Eltern gewesen, hätten wir hier sicherlich nie geschlafen. Es ist bei diesem Hotel eben wie bei allen anderen Immobilien auch: die Lage ist der entscheidende Faktor. Und der Kwai hebt den Preis gewaltig an. Aber hat es sich gelohnt?

Ehrlich gesagt habe ich etwas mehr erwartet. Natürlich gehört es zum Konzept eines Öko-Resorts, dass es eben keinen Strom und kein heißes Wasser gibt, aber auch die karge Einrichtung der Zimmer entsprach nicht dem Luxus, mit dem das Hotel wirbt. Außer zwei Betten und einer kleinen Nische, zum Aufhängen von Kleidung, gab es keinerlei Ablageflächen und der Boden im Bad hatte riesige Schlitze, durch die das Duschwasser in den Fluss ablaufen kann. Das Personal war desinteressiert und stellenweise ziemlich überfordert (vor allem beim Abendessen).

Insgesamt aber waren die zwei Nächte im schwimmenden Hotel eine schöne Erfahrung. Man ist gezwungen, einfach mal gar nichts zu tun. Der erste Blick am Morgen geht ausnahmsweise nicht auf das Smartphone sondern auf den Nebel, der sich träge über den Fluss schiebt. Von der Hängematte auf dem kleinen Balkon aus kann man zuschauen, wie die zwei Elefanten des Mon-Village im Kwai gewaschen und mit Obst gefüttert werden. Es gibt nichts zu erledigen, keine Aufgaben und keine Pflichten.

Petroleum-Lampe statt Elektrizität
Petroleum-Lampe statt Elektrizität

 

Auch die Atmosphäre im Hotel ist schön und romantisch. Vor der Dämmerung werden überall Petroleum-Lampen aufgehängt, die durch die Wellen schaukeln und flackernde Schatten an die Wände werfen. Nach dem Abendessen wird es sehr schnell ruhig im Hotel, denn die Sonne geht früh unter und die Kerosin-Lampen sind nicht hell genug, um noch lange draussen sitzen zu bleiben. Auch Silvester war so still, dass ich es einfach verschlafen habe. Statt Feuerwerk gab es aber wohl einen sehr schönen Sternenhimmel, wurde mir morgens erzählt.

Trotzdem waren wir alle froh, als uns nach zwei Nächten ein Longtail-Boot wieder zurück an den Pier gebracht hat. Zeit für eine heiße Dusche!

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Lena

Lena

Lena (28) ist studierte Soziologin und hat zuletzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Mannheim gearbeitet. Seit September 2015 ist sie als digitale Nomadin auf Weltreise. Mehr erfährst du hier.

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